Zum fotografischen Werk von Mick Vincenz
von Professor Carl Emanuel Wolff, Dresden, Oktober 2001

Seit über 10 Jahren arbeiten Mick Vincenz und ich zusammen. Der Anfang dieses Zusammen war meinerseits ein Hilferuf. Ein Museumsfotograf hatte Fotos meiner Plastiken gemacht, die ich nicht mochte, aber auch nicht recht sagen konnte wie sie denn anders fotografiert werden sollten.
Der Transfer von einer Wirklichkeit in die Andere erfordert, das ist banal und dennoch immer noch wahr, eine Verwandlung in etwas Neues.
Künstler sind oft unzufrieden mit Abbildern ihrer Bilder, - die ja eben schon Bilder sind.

Mick Vincenz war der erste Fotograf, den ich erlebte, der sich jeder meiner Plastiken und wie ich dann später sah, überhaupt jedem Gegenstand, mit dem unbedingten Willen näherte, für ihn ein eigenes Bild zu schaffen. Für Vincenz ist sein Gegenüber immer die Forderung, dafür eine spezifische Sprache zu finden und hierin ist er virtuos. Alle technischen Möglichkeiten seines Mediums stehen ihm hierfür immer zur Verfügung: Ob der schnelle Kleinbildschuss mit groben Korn im Raum mit wenig Licht oder die präzis bis ins kleinste ausgeleuchtete Großbildkomposition, Vincenz spielt immer mit allen Mitteln um zum Bild zu kommen. Diese künstlerische Haltung- ist Entscheidung. Eine Entscheidung als Fotograf seine Identität , und die eigene Wiedererkennbarkeit nicht in der Einschränkung der Mittel, in der Reproduktion des gleichen Blicks auf verschiedene Objekte zu suchen, sondern umgekehrt, gerade die Verschiedenheit der Bilder zu suchen. Wissend, dass eine bestimmte Qualität in der eigenen Identität unausweichlich als eigener Blick enthalten ist.

Vincenz`s Identität wird sichtbar, in der Temperatur seiner Bilder. Sie sind warm, kühl oder heiß und sprechen immer vom Lebendigen- sie sind nie kalt.

Den distanzierten Blick, der sein Gegenüber ganz erschlossen hat oder der behauptet, dass es so sei- so aussehe, verweigert er. Alle Bilder wollen spannend, mit Spannung in sich und nicht als Erklärung, als Behauptung gelesen werden. Seit unserer Zusammenarbeit in Sao Paulo, hat sich Vincenz`s fotografisches Konzept dahin entwickelt, eine künstlerische Aussage-, eine Erotik seiner Bilder-, konsequent nicht nur im einzelnen Bild zu suchen sondern im Gegenüber der verschiedenen Bilder, -links die Architekturaufnahme, rechts ein Portraitdetail....- zwischen dem vermeintlich Unvereinbaren entsteht die Musik.
Die einzelnen Fotos werden technisch mit Akribie immer an ihre Grenzen gepeitscht: Das scharfe Großbilddia muss "schärfer als scharf!" sein. Am liebsten das einzelne Haar auf dem Billardfilz und 6 Meter dahinter das Sandkorn im Mauerputz, dagegen das diffuse, grobe Korn im verwitterten Hochhaus, am Strand von Havanna, die Bildoberfläche wird selbst morbid, man spürt das Wetter, im Portraitschuss von Schneewittchen muss der Hintergrund tiefschwarz, "schwärzer als schwarz" und die Gase des Brautkleides fein davor sein.
Welche Bilder sich dann gegenüber stehen, entscheiden nicht Inhaltlichkeiten-, wenn das Unterschiedliche Eins wird und es dazwischen mal summt, mal knallt und zum Schluss Hundert oder Zweihundert Bilder Eins werden, ist das Ziel erreicht. Alle Bilder haben dann ihre Bestimmung gefunden. Nicht mehr und nicht weniger als Bilder und als ein Bild geworden zu sein.

 
   
   
   
   
   
 



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